Beschreibung
Das 11 1/2 linige ETA 2472, das Mitte der 1950er Jahre debutierte, ist Teil einer der
erfolgreichsten Automaticwerk-Familien der ETA, und wurde fast 20 Jahre lang hergestellt.
Die ganze Kaliberfamilie basiert wiederum auf der Handaufzugs-Familie
ETA 2390.
Dadurch, dass es so beliebt war, wurde es auch von Fremdherstellern mit einer für sie eigenen Kaliberbezeichnung versehen und war beispielsweise als Kienzle 70/1 oder MSR T.26 erhältlich.
Man erkennt auf der Grundplatine schon den seinerzeit fast revolutionär modernen Räderwerksaufbau und die gute Verarbeitung dieses Werks. Und man sieht auch, dass die 11 1/2 linige Version die Grundplatine außen erweitert, das Basiskaliber ETA 2450 kommt mit nur 10 1/2 Linien Durchmesser aus.
Wie gesagt, der Räderwerksaufbau ist sehr modern und seit den 1950er Jahren typisch für ETA-Werke: Das Federhaus treibt das Großbodenrad an, gefolgt von Kleinbodenrad, Zentralsekundenrad und Ankerrad, und das alles in recht kompakter und platzsparender Bauweise.
Das Zeigerwerk wird über das zifferblattseitig liegende Trieb des Kleinbodenrads angetrieben, welches dort das Minutenrad antreibt.
Die Unruh, die es wohl auch als Schraubenunruh gab, ist bei den vorliegenden Exemplaren aus den 1960er Jahren bereits eine moderne schraubenlose Ringunruh mit drei Speichen. Sie ist ein einem Paar Incabloc-Stoßsicherungen gegen Stöße gesichert und arbeitet noch mit langsamen 18.000 Halbschwingungen pro Stunde.
Die effektive Länge der Spirale und damit die Frequenz der Unruh wird mit Hilfe eines langen Rückerzeigers eingestellt.
Das aufgesetzte Automaticmodul bietet Aussparungen sowohl für die Stoßsicherung, als auch für den Rückerzeiger.
Das Kronrad ist seitlich beweglich auf der Federhausbrücke gelagert. Die Sperrklinke greift beim ETA 2472 in das Kronrad, und nicht in das Sperrrad ein; letzteres steht mit dem Automaticmodul in Verbindung.
Die beiden Reduktionsräder des Automaticmoduls (das zweite greift in das Sperrrad ein) werden hierbei auf der Räderwerksbrücke gelagert, man erkennt die entsprechenden Bohrungen für die Achsen des Moduls bei 5 und 6 Uhr auf dem halben Radius.
Bei den alten ETA-Automaticmodulen werden die Klinkenräder noch auf feststehenden Achsen gelagert und besitzen selber keine Achsen. Das macht sie deutlich weniger verschleißanfällig, als die modernen ETA-Automaten, bei denen die Achsen der schnelldrehenden Klinkenräder oft nach wenigen Jahren eingelaufen sind.
Die beiden Klinkenräder stehen mit ihrer Unterseite in Verbindung, während die Oberseite mit
dem Rotor in Eingriff steht. In jeweils einer Drehrichtung sind oberes und unteres Rad
verbunden, während es in der anderen Drehrichtung zum Leerlauf kommt.
Auf diese Weise wird sichergestellt, dass egal in welche Richtung sich
der Rotor dreht, das zweite Klinkenrad, welches das Reduktionsrad antreibt,
immer in dieselbe Richtung dreht.
Auch die beiden Reduktionsräder besitzen Hohllager und sind auf die Achsen des Automaticmoduls gesteckt. Ein Hebel beim ersten Reduktionsrad sorgt dafür, dass es nicht herausfällt, das zweite Reduktionsrad steht im Eingriff mit dem Sperrrad und muss deswegen nicht extra gesichert werden.
Der Rotor des ETA 2472 wird auf der Innenseite des Moduls verschraubt.
Den Rotor kann man daher nicht wie bei späteren Ausführungen der ETA-Automaticwerke ohne Abnahme des Automaticmoduls entfernen.
Das komplette Automaticmodul wird mit zwei Schrauben auf dem Werk befestigt.
Wie bereits angedeutet, wird das Zeigerwerk zifferblattseitig angetrieben. Hierbei kommt das Trieb des Kleinbodenrads (auf Position 7:30 Uhr nahe der Mitte) mit dem Minutenrad in Eingriff. Auf dem Minutenrad befindet sich, mit einer Rutschkupplung versehen, das Viertelrohr, welches den Minutenzeiger trägt, sowie die Verzahnung für das Wechselrad besitzt. Das Wechselrad steht wie üblich mit dem Kronrad in Verbindung, zur Einstellung der Zeit.
Der Datumsmechanismus des ETA 2472 ist wegen seiner blitzartigen Schaltung um Mitternacht ziemlich aufwändig, und nur nach Anleitung zu zerlegen.
Das Datumsschaltrad, welches sich einmal pro Tag dreht, spannt den Datumsschalthebel vor, und entläßt ihn mit einem Schlag um Mitternacht.
Eine halbschnelle Korrektur des Kalenders ist möglich, indem die Uhrzeit auf 20 Uhr zurückgedreht, und wieder über Mitternacht hinaus vorgestellt wird.
Trotz Automatic und aufwändigem, blitzartig schaltenden Datumsmechanismus ist die Bauhöhe des ETA 2472 ziemlich niedrig. Auch das war sicher mit einer der Erfolgsfaktoren, die für die Beliebtheit dieses Werks sprachen.
Im Labor
Zeitwaagen-Ergebnis
Die Werte liegen weit unter dem, was dieses Werk normalerweise zu leisten in der Lage ist. Mit einer professionellen Revision könnte man hier mindestens in die Nähe der Chronometernorm kommen.| horizontale Lagen | |||
|---|---|---|---|
| Zifferblatt oben | +9 s/Tag | 231° | 0,1ms |
| Zifferblatt unten | +-0 s/Tag | 238° | 0,2ms |
| vertikale Lagen | |||
| Krone rechts (12 oben) | -9 s/Tag | 214° | 0,3ms |
| Krone oben (3 oben) | -17 s/Tag | 208° | 0,0ms |
| Krone links (6 oben) | -52 s/Tag | 191° | 0,0ms |
| Krone unten (9 oben) | -57 s/Tag | 183° | 0,3ms |
Technische Daten
| Hersteller: | ETA |
| Kaliber: | 2472 |
| Basiskaliber: | ETA 2450 |
| Größe: | 11 1/2''' (gemessen: 25,6mm) |
| Höhe: | 5,2mm |
| Halbschwingungen pro Stunde: | 18000 |
| Hebewinkel: | 52° |
| Anzahl Steine: | 21 |
| Hemmung: | Anker |
| Unruh-Ausführungen: | Nickel-Ringunruh |
| Stoßsicherung(en): | Incabloc |
| Unruhlagerung / Richtung Spirale: | Uhrzeigersinn |
| beweglicher Spiralklötzchenträger: | ja |
| Regulierorgan: | Rückerzeiger mit langem Arm |
| Werksaufbau: |
|
| Aufzugstyp: | Kupplungsaufzug |
| Winkelhebelfeder: | 2 Löcher |
| Befestigung Winkelhebel: | geschraubt |
| Ausstattung: |
|
| Produktionszeitraum: | 1956 - 1974 |
| Referenzen: | Flume: 1962 100 |
| Erwähnung in Artikeln (Jahre): | 1963 - 1971 |
| Datenblatt: | 1965 |
| Inventarnummer: | 24026 |
Anwendungsgalerie
Verwandte Werke
Links
- Service of a shipwrecked ETA 2472 (Schöne Detailaufnahmen eines ETA 2472, das einen Service verpaßt bekommt)



















