ETA 2472

 
ETA 2472 |

ETA 2472

Beschreibung

Das 11 1/2 linige ETA 2472, das Mitte der 1950er Jahre debutierte, ist Teil einer der erfolgreichsten Automaticwerk-Familien der ETA, und wurde fast 20 Jahre lang hergestellt.
Die ganze Kaliberfamilie basiert wiederum auf der Handaufzugs-Familie ETA 2390.

Dadurch, dass es so beliebt war, wurde es auch von Fremdherstellern mit einer für sie eigenen Kaliberbezeichnung versehen und war beispielsweise als Kienzle 70/1 oder MSR T.26 erhältlich.

ETA 2472: Grundplatine

Grundplatine

Man erkennt auf der Grundplatine schon den seinerzeit fast revolutionär modernen Räderwerksaufbau und die gute Verarbeitung dieses Werks. Und man sieht auch, dass die 11 1/2 linige Version die Grundplatine außen erweitert, das Basiskaliber ETA 2450 kommt mit nur 10 1/2 Linien Durchmesser aus.

ETA 2472: Räderwerk

Räderwerk

Wie gesagt, der Räderwerksaufbau ist sehr modern und seit den 1950er Jahren typisch für ETA-Werke: Das Federhaus treibt das Großbodenrad an, gefolgt von Kleinbodenrad, Zentralsekundenrad und Ankerrad, und das alles in recht kompakter und platzsparender Bauweise.

ETA 2472: Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Das Zeigerwerk wird über das zifferblattseitig liegende Trieb des Kleinbodenrads angetrieben, welches dort das Minutenrad antreibt.

ETA 2472: Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Die Unruh, die es wohl auch als Schraubenunruh gab, ist bei den vorliegenden Exemplaren aus den 1960er Jahren bereits eine moderne schraubenlose Ringunruh mit drei Speichen. Sie ist ein einem Paar Incabloc-Stoßsicherungen gegen Stöße gesichert und arbeitet noch mit langsamen 18.000 Halbschwingungen pro Stunde.

Die effektive Länge der Spirale und damit die Frequenz der Unruh wird mit Hilfe eines langen Rückerzeigers eingestellt.

Das aufgesetzte Automaticmodul bietet Aussparungen sowohl für die Stoßsicherung, als auch für den Rückerzeiger.

ETA 2472: Innenseite Federhausbrücke

Innenseite Federhausbrücke

Das Kronrad ist seitlich beweglich auf der Federhausbrücke gelagert. Die Sperrklinke greift beim ETA 2472 in das Kronrad, und nicht in das Sperrrad ein; letzteres steht mit dem Automaticmodul in Verbindung.

ETA 2472: Werk ohne Automaticmodul

Werk ohne Automaticmodul

Die beiden Reduktionsräder des Automaticmoduls (das zweite greift in das Sperrrad ein) werden hierbei auf der Räderwerksbrücke gelagert, man erkennt die entsprechenden Bohrungen für die Achsen des Moduls bei 5 und 6 Uhr auf dem halben Radius.

ETA 2472: leeres Automaticmodul

leeres Automaticmodul

Bei den alten ETA-Automaticmodulen werden die Klinkenräder noch auf feststehenden Achsen gelagert und besitzen selber keine Achsen. Das macht sie deutlich weniger verschleißanfällig, als die modernen ETA-Automaten, bei denen die Achsen der schnelldrehenden Klinkenräder oft nach wenigen Jahren eingelaufen sind.

ETA 2472: Klinkenrad

Klinkenrad

Die beiden Klinkenräder stehen mit ihrer Unterseite in Verbindung, während die Oberseite mit dem Rotor in Eingriff steht. In jeweils einer Drehrichtung sind oberes und unteres Rad verbunden, während es in der anderen Drehrichtung zum Leerlauf kommt.
Auf diese Weise wird sichergestellt, dass egal in welche Richtung sich der Rotor dreht, das zweite Klinkenrad, welches das Reduktionsrad antreibt, immer in dieselbe Richtung dreht.

ETA 2472: Unterseite Automaticmodul

Unterseite Automaticmodul

Auch die beiden Reduktionsräder besitzen Hohllager und sind auf die Achsen des Automaticmoduls gesteckt. Ein Hebel beim ersten Reduktionsrad sorgt dafür, dass es nicht herausfällt, das zweite Reduktionsrad steht im Eingriff mit dem Sperrrad und muss deswegen nicht extra gesichert werden.

ETA 2472: Räderwerk des Automaticmoduls

Räderwerk des Automaticmoduls

Der Rotor des ETA 2472 wird auf der Innenseite des Moduls verschraubt.

ETA 2472: Automaticmodul ohne Rotor

Automaticmodul ohne Rotor

Den Rotor kann man daher nicht wie bei späteren Ausführungen der ETA-Automaticwerke ohne Abnahme des Automaticmoduls entfernen.

ETA 2472: Innenseite Rotor

Innenseite Rotor

Das komplette Automaticmodul wird mit zwei Schrauben auf dem Werk befestigt.

ETA 2472: Automaticmodul mit Rotor

Automaticmodul mit Rotor

Wie bereits angedeutet, wird das Zeigerwerk zifferblattseitig angetrieben. Hierbei kommt das Trieb des Kleinbodenrads (auf Position 7:30 Uhr nahe der Mitte) mit dem Minutenrad in Eingriff. Auf dem Minutenrad befindet sich, mit einer Rutschkupplung versehen, das Viertelrohr, welches den Minutenzeiger trägt, sowie die Verzahnung für das Wechselrad besitzt. Das Wechselrad steht wie üblich mit dem Kronrad in Verbindung, zur Einstellung der Zeit.

ETA 2472: weitgehend leere Zifferblattseite

weitgehend leere Zifferblattseite

Der Datumsmechanismus des ETA 2472 ist wegen seiner blitzartigen Schaltung um Mitternacht ziemlich aufwändig, und nur nach Anleitung zu zerlegen.

ETA 2472: Schaltrad und -Hebel des Datumsmechanismus

Schaltrad und -Hebel des Datumsmechanismus

Das Datumsschaltrad, welches sich einmal pro Tag dreht, spannt den Datumsschalthebel vor, und entläßt ihn mit einem Schlag um Mitternacht.

ETA 2472: Datumsmechanismus

Datumsmechanismus

Eine halbschnelle Korrektur des Kalenders ist möglich, indem die Uhrzeit auf 20 Uhr zurückgedreht, und wieder über Mitternacht hinaus vorgestellt wird.

ETA 2472: ETA 2472: Zifferblattseite

ETA 2472: Zifferblattseite

Trotz Automatic und aufwändigem, blitzartig schaltenden Datumsmechanismus ist die Bauhöhe des ETA 2472 ziemlich niedrig. Auch das war sicher mit einer der Erfolgsfaktoren, die für die Beliebtheit dieses Werks sprachen.

Im Labor

Das vorliegende Werk kam gut gebraucht und stark verharzt ins Archiv, und bekam einen einfachen Service spendiert.

Zeitwaagen-Ergebnis

Die Werte liegen weit unter dem, was dieses Werk normalerweise zu leisten in der Lage ist. Mit einer professionellen Revision könnte man hier mindestens in die Nähe der Chronometernorm kommen.

horizontale Lagen
Zifferblatt oben+9 s/Tag231°0,1ms
Zifferblatt unten+-0 s/Tag238°0,2ms
vertikale Lagen
Krone rechts (12 oben)-9 s/Tag214°0,3ms
Krone oben (3 oben)-17 s/Tag208°0,0ms
Krone links (6 oben)-52 s/Tag191°0,0ms
Krone unten (9 oben)-57 s/Tag183°0,3ms

Technische Daten

Hersteller:ETA
Kaliber:2472
Basiskaliber:ETA 2450
Größe:11 1/2''' (gemessen: 25,6mm)
Höhe:5,2mm
Halbschwingungen pro Stunde:18000
Hebewinkel:52°
Anzahl Steine:21
Hemmung:Anker
Unruh-Ausführungen:Nickel-Ringunruh
Stoßsicherung(en):Incabloc
Unruhlagerung / Richtung Spirale:Uhrzeigersinn
beweglicher Spiralklötzchenträger:ja
Regulierorgan:Rückerzeiger mit langem Arm
Werksaufbau:
  • Anker
  • Ankerrad (Hemmungsrad), Sekundenrad, Kleinbodenrad, Großbodenrad
  • Federhaus
Aufzugstyp:Kupplungsaufzug
Winkelhebelfeder:2 Löcher
Befestigung Winkelhebel:geschraubt
Ausstattung:
  • SCD (direkte Zentralsekunde)
  • QG (Datum (Fenster))
  • RDR (Datumskorrektur)
  • AUT (Automatikaufzug)
Produktionszeitraum:1956 - 1974
Referenzen:Flume: 1962 100
Erwähnung in Artikeln (Jahre):1963 - 1971
Datenblatt:1965
Inventarnummer:24026

Anwendungsgalerie

ETA 2472: Kienzle Swiss Automatic Herrenuhr

Kienzle Swiss Automatic Herrenuhr

ETA 2472: Revue Touring Automatic Herrenuhr

Revue Touring Automatic Herrenuhr


Verwandte Werke

ETA 2450:
10 1/2 Linien = Automatic-Version des ETA 2390
11 1/2 Linien = Automatic-Version des ETA 2391
11 1/2 Linien, Datumsanzeige
11 1/2 Linien, Messing-Rotor
11 1/2 Linien, Datumsanzeige mit schlagartiger Schaltung
ETA 2474:
11 1/2 Linien, Messingrotor, Datumsanzeige mit schlagartiger Schaltung

Links

Dieses Werk samt Uhr ist eine Spende von Marius an das Uhrwerksarchiv. Ganz herzlichen Dank für die tolle Unterstützung!