Kienzle 44

 
Kienzle 44

Kienzle 44

Beschreibung

Das große, 19-linige Lepine-Taschenuhrenwerk Kienzle 44 ist die letzte Iteration der Werksfamilie Kienzle 14-44 / Kienzle 44. In den einschlägigen Werksuchern ist dieses Werk, welches vermutlich in den 1930er bis frühen 1950er Jahren produziert wurde, so gut wie unbekannt.

Grundplatine mit vernietetem Minutenrad

Grundplatine mit vernietetem Minutenrad

Die Grundplatine dieses gestanzten Pfeilerwerks verrät dessen einfache Bauweise. Lagersteine findet man keine, und das vernietete und damit nicht einfach zu entfernende zentrale Minutenrad ist auch etwas aus der Zeit gefallen.

Das Gesperr befindet hier auf dem Boden der Grundplatine.

Räderwerk

Räderwerk

Wir haben es hier mit dem typischen Lepine-Räderwerk zu tun: Federhaus, zentrales Minutenrad, Kleinbodenrad, dezentrales Sekundenrad gegenüber der Aufzugswelle und schließlich das Ankerrad.

Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Das Kienzle 44 besitzt eine beträchtliche Bauhöhe und kann dadurch über eine starke Zugfeder verfügen.

Detail: Anker

Detail: Anker

Als Hemmung kommt eine Stiftankerhemmung zum Einsatz, deren Ankergabel zur Ausbalancierung eine halbkreisförmige Gabel besitzt, innerhalb derer das Trieb des Ankerrads läuft.

Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Typisch für zeitgenössische Billigwerke ist die monometallische Ringunruh mit ihren angedeuteten Schrauben. Der rote Punkt auf dem Unruhkloben ist übrigens kein Lager- oder Deckstein, sondern lediglich ein roter Farbklecks, der gut ins Bild zur Pseudo-Schraubenunruh paßt.

Pseudo-Schraubenunruh

Pseudo-Schraubenunruh

Die Unruh, die mit 18000 Halbschwingungen arbeitet, läuft in zwei Körnerlagern.

Ihre Frequenz wird mit Hilfe eines langen Rückerzeigers justiert, dessen anderes Ende einen sehr einfach gebogenen Spiralschlüssel trägt. Allzugroße Ansprüche an die Ganggenauigkeit darf man daher nicht stellen.

Seitenansicht Unruh und Spiralschlüssel

Seitenansicht Unruh und Spiralschlüssel

Zifferblattseitig besitzt das Kienzle 44 bereits ein vollständig unter der Grundplatine gelagertes Federhaus.

Schön zu erkennen ist der Wippenaufzug, der auch die Möglichkeit bietet, durch Drücken eines Stifts von Aufzug auf Zeigerstellung umzuschalten, so wie es Taschenuhren bis etwa um die Jahrhundertwende hin taten.

Kienzle 44: Zifferblattseite

Kienzle 44: Zifferblattseite

Das zifferblattseitige Körnerlager kann mit Hilfe eines Schraubenziehers in seiner Höhe justiert werden. Werksseitig passiert das mit Hilfe einer eingelassenen Schraube in den Unruhkloben, die selbigen in der Höhe verbiegt.

Technische Daten

Hersteller:Kienzle
Kaliber:44
Größe:19''' (gemessen: 43,7mm)
Halbschwingungen pro Stunde:18000
Hemmung:Stiftanker
Unruh-Ausführungen: Nickel-Ringunruh (zweischenklig)
Stoßsicherung(en): keine
Unruhlagerung / Richtung Spirale:Gegenuhrzeigersinn
beweglicher Spiralklötzchenträger:nein
Regulierorgan:Rückerzeiger mit langem Arm
Werksaufbau:
  • Anker
  • Ankerrad (Hemmungsrad), Sekundenrad, Kleinbodenrad, Minutenrad, Federhaus
Bauweise:Pfeilerbauweise
Aufzugstyp:Wippenaufzug
Winkelhebelfeder:1 Loch/Löcher
Ausstattung:
  • s (dezentrale Sekunde)
Inventarnummer:22014

Anwendungsgalerie

anonyme Taschenuhr mit Omega-Symbol

anonyme Taschenuhr mit Omega-Symbol

Links

Das Werk in der anonymen Taschenuhr ist eine Spende von Günther aus München. Ganz herzlichen Dank für die Unterstützung des Uhrwerksarchivs!