Meylan ?

 
Meylan ?

Meylan ?

Beschreibung

Eines der ältesten, aber zugleich auch schönsten Exponate im Uhrwerksarchiv dürfte dieses, leider nicht näher bezeichnete Taschenuhrwerk von Ch.H.Meylan sein, das sich zumindest dem Gehäuse nach auf das Jahr 1906 datieren läßt.

Es besitzt einen Durchmesser von 32,3mm, umgerechnet wären das 14 13 Linien.

An vielen Details läßt sich erkennen, dass es sich um ein außergewöhnlich hochewertiges Werk handelt.

Grundplatine

Grundplatine

Schon die Grundplatine läßt erkennen, dass hier an Lagersteinen nicht gespart wurde, zusammen mit den Ankerpaletten und der Ellipse der Unruh wurden sage und schreibe 18 Steine verbaut, deutlich mehr, als Anfang des 20. Jahrhunderts üblich war.

Meylan-Punze (leider unscharf)

Meylan-Punze (leider unscharf)

Das Werk mit der Seriennummer 69669 läßt sich nur anhand der (leider nur unscharf fotografierten) Löwen-Punze der Manufaktur Charles Henri Meylan aus der Schweiz zuordnen.

unvollständige Malteserkreuz-Stellung

unvollständige Malteserkreuz-Stellung

Das Federhaus nutzt eine (leider nicht mehr vollständig vorhandene) Malteserkreuz-Stellung, um die Zugfeder nur innerhalb eines definierten Bereichs zu nutzen, sie also weder komplett ablaufen zu lassen, noch komplett vollständig aufzuziehen. Durch das Auslassen der beiden “Extremzustände” der Zugfeder kann man eine deutlich verbesserte Ganggenauigkeit erreichen.

Räderwerk

Räderwerk

Das klassisch aufgebaute Räderwerk mit Federhaus (dessen Sperrrad genau wie das Kronrad eine Wolfsverzahnung zur besseren Kraftübertragung nutzt), direkt angetriebenem Minutenrad, Kleinbodenrad, Sekundenrad gegenüber der Krone und Stahl-Ankerrad stellt das seinerzeitige Optimum dar.

Alle wichtigen Lager, das Minutenrad immerhin werksseitig, sind mit Rubinen ausgestattet, das Ankerrad sogar mit zwei Decksteinen.

Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Das Ankerrad ist unter einem eigenen Kloben gelagert, Minuten-, Großboden und Sekundenrad nutzen dieselbe, schmale Brücke.

Ganz wunderbar anzusehen ist der hochglanzpolierte Anker mit seinen “Fühlern”, die für die Begrenzung des Ankerwegs gedacht sind. Wird der Anker zu weit ausgelenkt, beispielsweise weil die Unruh prellt, so schlägt einer der beiden “Fühler” an das Ankerradtrieb an und blockiert die weitere Auslenkung und die Beschädigung der Ankerpaletten bzw. der feinen Zähne des Ankerrads.

Anker

Anker

Die große Bimetall-Kompensationsunruh schlägt mit 18000 Halbschwingungen pro Stunde und reguliert ein klassisches schweizer Palettenankerwerk. Eine Stoßsicherung ist verständlicherweise noch nicht verbaut.

Die effektive Länge der Spirale mit Breguet-Endkrümmung wird über einen langen Rückerzeiger mit Skala justiert.

Zifferblattseite

Zifferblattseite

Auf der Zifferblattseite sieht man den Wippenaufzug. Der Winkelhebel, der über einen Druckpunkt zwischen Aufzugs- und Uhrzeit-Stellung wechselt, ist auch gleichzeitig dessen Feder. Bei 2 Uhr kann man dies gut erkennen.

Technische Daten

Hersteller:Meylan
Kaliber:?
Anzahl Steine:18
Hemmung:Anker
Unruh-Ausführungen: Guillaume-Schraubenunruh
Stoßsicherung(en): keine
Unruhlagerung / Richtung Spirale:Gegenuhrzeigersinn
beweglicher Spiralklötzchenträger:nein
Regulierorgan:Rückerzeiger mit langem Arm
Werksaufbau:
  • Anker
  • Ankerrad
  • Kleinbodenrad, Großbodenrad, Minutenrad
  • Federhaus
Bauweise:Massivbau
Aufzugstyp:Kupplungsaufzug
Ausstattung:s
Funktionen:Stunde, Minute, dezentrale Sekunde
Halbschwingungen pro Stunde:18000
Größe:14 1/3''' (gemessen: 32,3mm)
Inventarnummer:19020

Anwendungsgalerie

anonyme, als Armbanduhr umgearbeitete Taschenuhr

anonyme, als Armbanduhr umgearbeitete Taschenuhr

Dieses Werk samt Uhr ist eine Spende von Hans H. Hanebuth an das Uhrwerksarchiv. Ganz herzlichen Dank für die Unterstützung!