Beschreibung
Etwa Mitte der 1970er Jahre brachte die Minsker Uhrenfabrik Luch ihr einziges Automaticwerk in Damenuhrengröße (8 Linien / 18mm Durchmesser) auf den Markt. Es basierte auf dem Handaufzugskaliber 1814, dem ein Selbstaufzugsmechanismus hinzugefügt wurde.
Die Grundplatine verrät bereits, daß es sich um eine sehr moderne Konstruktion handelt, denn es kein Platz für ein zentrales Minutenrad vorhanden, das Zeigerwerk befindet sich komplett auf der Zifferblattseite und wird indirekt vom Kleinbodenrad (das eine Kupplung besitzt) angetrieben, liegt also nicht im Kraftfluß.
Das Räderwerk besteht aus Federhaus, Großbodenrad, Kleinbodenrad (mit Kupplungstrieb), (Zentral-)Sekundenrad und Ankerrad.
Mit recht großen Rädern ist das Werk servicefreundlich aufgebaut.
Die in zwei russischen Stoßsicherungen gelagerte Ringunruh schlägt noch vergleichsweise langsam mit 21600 Halbschwingungen pro Stunde. Sie reguliert ein Palettenankerwerk schweizer Bauart.
Dieser Räderwerksaufbau wurde vor allem durch ETA seit den späten 50er Jahren popular und wird dort bis heute verwendet.
Durch den Wegfall des zentralen Minutenrads steht für Federhaus und Unruh mehr Platz zur Verfügung, was besonders bei Werken mit geringem Durchmesser (im vorliegenden Fall gerade einmal 8 Linien, also 18mm) sehr vorteilhaft ist, um eine höhere Gangreserve und Ganggenauigkeit zu ermöglichen.
Bei entferntem Automatic-Modul erkennt man schön das bewegliche Kronrad, das Auskuppeln ermöglicht, wenn die Krone in Aufzugsstellung rückwärts gedreht wird. Normalerweise verwendet man soetwas, um sich die Breguetkupplung beim Aufzugs zu ersparen. Diese ist beim Luch 1816 aber vorhanden!
Das Automaticmodul, das mit zwei Schrauben auf das Werk montiert wird, greift bei 5:30 Uhr in das Sperrad ein. Das Lager ist dabei sogar mit einem Stein ausgestattet.
Der Automaticmechanismus ist als Freilauf-Wechsler ausgeführt, d.h. der kugelgelagerte Rotor steht in Verbindung mit beiden Wechselrädern, die mit einer Handvoll innenliegender Scheiben ausgestattet sind, die dazu führen, daß sie nur in einer Drehrichtung als Mitnehmer fungieren, in der anderen Richtung freilaufen. Dieses Prinzip wurde vor allem durch die “Gyrotron”-Werke von Girard-Perregaux berühmt, wurde aber auch gerne bei russischen Werken, wie beispielsweise dem Wostok 2416, verwendet.
Dieser Mechanismus garantiert, daß egal, in welcher Richtung sich der Rotor dreht, sich das Übergragungsrad immer nur einer Richtung dreht und damit stets aufzieht.
Die Achse des kugelgelagerten Rotors wird von der Unterseite des Moduls befestigt, das bedeutet, daß der Rotor nur zusammen mit dem Modul entfernt werden kann. Alle Zahnräder des Automaticmoduls sind übrigens steingelagert, so daß das Werk am Ende auf 21 Lagersteine kommt.
Die leere Zifferblattseite läßt schön das Minutenrad erkennen, das bei 7:30 Uhr innen durch das Kleinbodenrad angetrieben wird.
Natürlich wird bei diesem Werk ein Kupplungsaufzug verwendet.
Der Datumsmechanismus ist ungewöhnlich und komplex ausgeführt: Das Schaltrad bei 11 Uhr treibt einen Hebel, der mit Hilfe von einer Feder dafür sorgt, daß das Datum schlagartig um Mitternacht weiterspringt, aber auch halbschnell (durch vor- und zurückdrehen der Zeit) korrigiert werden kann.
Von der Komplexität des Datumsmechanismus ist normalerweise nicht viel zu sehen - einen Uhrmacher kann er aber arg zum Schwitzen bringen :)
Technische Daten
Hersteller: | Luch |
Kaliber: | 1816 |
Größe: | 8''' (gemessen: 18mm) |
Höhe: | 6,00mm |
Halbschwingungen pro Stunde: | 21600 |
Hebewinkel: | 46° |
Anzahl Steine: | 21 |
Hemmung: | Anker |
Unruh-Ausführungen: |
Glucydur-Ringunruh |
Stoßsicherung(en): |
3-schenklig russisch |
Unruhlagerung / Richtung Spirale: | Gegenuhrzeigersinn |
beweglicher Spiralklötzchenträger: | ja |
Regulierorgan: | Spiralschlüssel |
Werksaufbau: |
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Bauweise: | Massivbau |
Aufzugstyp: | Kupplungsaufzug |
Ausstattung: |
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Erwähnung in Artikeln (Jahre): | 1983 |
Inventarnummer: | 17028 |