PUW 803

 
PUW 803

PUW 803

Beschreibung

1975 brachten die Pforzheimer Uhrenrohwerke (PUW) ihre letzte Serie mechanischer Damenuhrwerke auf den Markt,die Reihe 800.

Das PUW 803 war die Ausführung mit Zentralsekunde und Datums- sowie Wochentagsanzeige, die wegen des auf der Zifferblattseite montierten Kalendermoduls kein echtes Formwerk mehr war, sondern ein rundes Werk mit einem Durchmesser von 18,6mm. Damals, Ende der 1970er Jahre, waren winzige Damenuhren immer noch modern!

Grundplatine

Grundplatine

Wie man sieht, sind bis auf das zentrale Minutenrad alle Lager mit Steinen versehen, sogar das Federhaus. Und sehr interessant ist der Lagerstein auf 9 Uhr: Er ist für die Lagerung des zifferblattseitigen Wechselrads gedacht.

Grundplatine mit Minutenradbrücke

Grundplatine mit Minutenradbrücke

Bei der geringen Größe des Basiswerks war es vermutlich nicht möglich, auf ein indirektes Minutenrad zu setzen, und so wird hier das klassische, vom Federhaus direkt angetriebene zentrale Minutenrad eingesetzt.

Räderwerk

Räderwerk

Das übrige Räderwerk kann wegen der direkt angetriebenen Zentralsekunde mit, für diese Werksgröße ungewöhnlich großen Rädern arbeiten.

Das Federhaus besitzt auf seiner Oberseite gleich sein Gesperr, das in das Konrad eingreift, wenn sich das Federhaus leicht rückwärts dreht.

Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Das PUW 803 verwendet eine schraubenlose Ringunruh mit drei Armen, die hier in zwei RUFA-Antishock-Stoßsicherungen gelagert ist. Sie schlägt mit 21600 Halbschwingungen pro Stunde, die leider nur direkt am Spiralschlüssel justiert werden können und reguliert ein klassisches Palettenankerwerk schweizer Bauart.

Innenseite Federhausbrücke

Innenseite Federhausbrücke

Auf der Innenseite der Federhausbrücke ist das Kronrad vernietet

leere Zifferblattseite

leere Zifferblattseite

Auf der noch leeren Zifferblattseite sieht man schön die Vorbereitung für das Datumsschaltrad bei 12 Uhr, und bei 3 Uhr das vorher schon angesprochene, steingelagerte Wechselrad.

Datumsschaltrad

Datumsschaltrad

Das Datumsschaltrad ist eine recht komplexe Konstruktion, die nicht nur dazu gedacht ist, den Datumsring weiterzuschalten (und eine halbschnelle Korrektur per Zurück- und Vordrehen der Zeiger anzubieten), sondern schaltet ebenfalls die Wochentagsanzeige um Mitternacht weiter.

Seitenansicht des Datumsschaltrads

Seitenansicht des Datumsschaltrads

Der Dorn greift in den Datumsring ein, der Schaltfinger in die Wochentagsscheibe. Beide werden so um Mitternacht schlagartig weitergeschaltet.

Montiertes Datumsmodul

Montiertes Datumsmodul

Um die Vorspannung des Schaltfingers zu gewährleisten, muß der seitliche Finger des Schaltrads in einer entsprechenden Vorrichtung gelagert werden. Diese ist Teil eines runden Moduls, welches auf das Formwerk geschraubt wird.

Das Schaltrad wird hierbei vom Stundenrad angetrieben.

Datumsmechanismus

Datumsmechanismus

Eine Blattfeder greift bei 8 Uhr in die Sägezahn-Verzahnung des Datumsrings ein und sorgt dafür, dass das Datum stets in der korrekten Position steht. Bei 12 Uhr erkennt man den Eingriff des Schaltfingers des Datumsschaltrads in den Datumsring. Dieser Schaltfinger ist mit einer Art Rutschkupplung mit dem Schaltrad verbunden, so dass er, wenn genug Kraft aufgebaut ist, um Mitternacht schlagartig das Datum weiterspringen läßt.

abgedeckter Datumsmechanismus ohne Wochentagsscheibe

abgedeckter Datumsmechanismus ohne Wochentagsscheibe

Um ein Verspringen des Datumsmechanismus zu verhindern, befindet sich auf der Oberseite des Datumsmoduls noch eine Abdeckplatte. Diese besitzt gleichzeitig ein federgelagertes rundes Plättchen, das für die korrekte Position der Wochentagsscheibe zuständig ist.

PUW 803: Zifferblattseite

PUW 803: Zifferblattseite

Obwohl dieses Werk schon sehr modern und rational gefertigt war, und mit Tages- und zweisprachiger Wochentagsanzeige, sowie mit Zentralsekunde bestmöglich ausgestattet war, hatte es letztenendes leider keine Chance, sich gegen die aufkommenden Quarzwerke durchzusetzen. Die PUW gehörten zwar zu den ersten Herstellern, neben Junghans, die konsequent ausschließlich auf die Elektronik setzten, aber gegen den Preisverfall dieser Werke hatten sie auch kein Patentrezept und so werden in Pforzheim schon lange keine Uhrwerke mehr produziert, weder mechanisch, noch elektronisch.

Im Labor

Das vorliegende Werk kam in NOS(New Old Stock)-Zustand und mußte daher nur einen Ölwechsel spendiert bekommen.

Technische Daten

Hersteller:PUW
Kaliber:803
Anzahl Steine:17
Hemmung:Anker
Unruh-Ausführungen: Nickel-Schraubenunruh
Stoßsicherung(en): Rufa-Anti-Shock
Unruhlagerung / Richtung Spirale:Uhrzeigersinn
beweglicher Spiralklötzchenträger:ja
Regulierorgan:Spiralschlüssel
Werksaufbau:
  • Anker
  • Ankerrad, Sekundenrad, Kleinbodenrad
  • Minutenrad
  • Federhaus
Bauweise:Massivbau
Aufzugstyp:Kupplungsaufzug
Winkelhebelfeder:4 Loch/Löcher
Ausstattung:SCD,QG,JG,RDR
Funktionen:Stunde, Minute, Sekunde, Tag, Wochentag
Halbschwingungen pro Stunde:21600
Größe:8 1/4''' (gemessen: 18,6mm)
Produktionszeitraum:1975 - 1979
Inventarnummer:20028
Dieses Werk wurde von Josef M.Stadl von der DGC zur Verfügung gestellt. Ganz herzlichen Dank für die tolle Unterstützung des Uhrwerksarchivs!